Die Schmetterlingsflaschen und die Mondknoten

 

 

 

Die Schmetterlingsflaschen und die Mondknoten

 


Über die symbolische Verbindung der Equilibrium-Flasche 14 zum absteigenden und Equilibrium-Flasche 73 zum aufsteigenden  Mondknoten.


Vorgelegt zur Qualifikation für Level 3 der Aura-Soma-Ausbildung

von


Dipl.-Psych. Susanne Petersen - 50250


©  Susanne Petersen 2010

 

 

1. Einleitung


Seit meinem zwölften Lebensjahr beschäftige ich mich mit Astrologie. Schon als Teenager habe ich mir mit Hilfe von Literatur autodidaktisch das Erstellen von Geburtshoroskopen beigebracht; damals noch ohne einen Computer. Im Laufe der Jahre las ich einen Großteil der im deutschsprachigen Raum verfügbaren astrologischen Literatur, später manches auch auf Englisch, weil ich nicht warten konnte, bis es in deutscher Übersetzung erschien. Insbesondere Bücher von Liz Greene musste ich möglichst sofort lesen. Mein derzeitiger Wissenstand und meine Erfahrung mit Astrologie sind demnach recht groß, während ich mit Aura-Soma noch am Anfang stehe.
Während meiner Ausbildung zum Level 2 freute ich mich, dass auch die Astrologie bei Aura-Soma Platz findet. Als meine Ausbilderin, Vasanti Heyer, mir die verschiedenen Flaschen als Symbole für Sonne, Mond und die Planeten zeigte, fragte ich sie nach Flaschen für die Mondknoten. Sie sagte, es gäbe da noch keine Zuordnung. Ganz spontan, nach meinem bislang nicht besonders vertieften Wissen über Aura-Soma, fielen mir die Schmetterlingsflaschen ins Auge. Das, was ich bis dato wusste, schien mir unmittelbar passend. Dies bewog mich, mich nach Level 2 ein wenig mehr mit den Flaschen 14 und 73 zu beschäftigen. Die Notwendigkeit, vor Level 3 ein Essay zu schreiben, bietet mir nunmehr Anlass und  Möglichkeit, meine Gedanken zu diesem Thema auszuformulieren und vielleicht gleichzeitig etwas Interessantes und Neues in die Aura-Soma-Gemeinschaft zu tragen.



2. Die Mondknotenachse im Horoskop


2.1. Astronomisches

Die Mondknoten sind astronomisch berechnete Punkte, nämlich die beiden Schnittpunkte der Mondumlaufbahn um die Erde mit der Ekliptik. Die Ekliptik wiederum bezeichnet die scheinbare Bahn der Sonne um die Erde, so wie sie von der Erde aus am Himmel erscheint. Der nördliche Mondknoten wird aufsteigender Mondknoten genannt, der südliche als absteigend bezeichnet. Der aufsteigende und der absteigende Mondknoten stehen sich immer gegenüber, haben also einen Abstand von 180 Grad zueinander. Nur dann, wenn sowohl Sonne als auch Mond in der Nähe der Mondknoten stehen, gibt es eine Sonnenfinsternis oder Mondfinsternis auf der Erde. Stehen Sonne und Mond zwar in Konjunktion oder Opposition zueinander, den Mondknoten aber nicht nahe genug, gibt es einen normalen Neumond oder Vollmond. Da Sonne, Mond und Erde ständig in Bewegung sind, bewegt sich die Mondknotenachse von der Erde aus gesehen in 18,618 Jahren einmal – und zwar rückwärts - durch den Tierkreis. Zur Anschauung: Erst wenn wir 18 Jahre und 6 Monate alt sind, stehen die Mondknoten das erste Mal in unserem Leben wieder wie zum Zeitpunkt unserer Geburt. Verkürzt gesagt bezeichnet die Mondknotenachse die sensiblen Punkte, an denen die Energien der beiden Lichter bezogen auf den Standpunkt Erde, und damit auf uns und unser irdisches Leben zusammentreffen. Dies erklärt, warum Geburtskonstellationen der Mondknoten, Mundankonstellationen und Transite zu den Mondknoten, insbesondere die Finsternisse seit Jahrtausenden von Menschen gedeutet werden.

2.2. Über die zweipolige Achse der Mondknoten

Der absteigende Mondknoten bezeichnet im Geburtshoroskop die Eigenschaften und das Wissen, das wir aus früheren Inkarnationen in unser Leben mitbringen. Für diejenigen, denen der Gedanke mehrfacher Inkarnation fern liegt, sind es die frühen Umweltbedingungen und unsere genetischen Dispositionen, die es uns leicht machen, die Eigenschaften des absteigenden Mondknotens zu entwickeln. So oder so handelt es sich um ein Reservoir an bereits gut verankerten und geübten Verhaltensweisen und Mustern aus der Vergangenheit. In der Regel haben wir in diesem Leben schnell Zugang zu diesen Fähigkeiten und neigen dazu, sie erneut hervorzubringen, weil es uns vergleichsweise leicht fällt. Je nach Zeichen, Haus und Aspekten sind die Inhalte dessen, was schon im jeweiligen Individuum vorhanden ist, sehr unterschiedlich. Nun klingt dies zunächst wie ein Quell großen Reichtums, und das ist es einerseits auch. Andererseits aber, gibt es auch die Kehrseite dessen, was sich über vergangene Inkarnationen und/oder unsere ersten Lebensjahre als Muster geprägt hat: Zwanghaftes Verhalten, mangelnde Flexibilität, Stagnation.

Der aufsteigende Mondknoten bezeichnet die Eigenschaften und Fähigkeiten, die wir noch nicht entwickelt haben, die uns fehlen. Hier herrscht also symbolisch Leere. Es heißt, es sei die karmische Aufgabe, die Seite des aufsteigenden Mondknotens in diesem Leben zu entwickeln. Da aufsteigender und absteigender Mondknoten sich immer gegenüberstehen, stehen sie auch immer in Zeichen und Häusern, die Oppositionen zueinander bilden. Auch diese Häuser- bzw. Zeichenachsen verkörpern mit ihren beiden Polen immer eine Ganzheit. Die jeweiligen Enden beschreiben verschiedene, gegensätzliche Ausprägungen, beziehen sich auf tieferer Ebene aber auf denselben Themenbereich. Als Beispiel soll die Achse Stier-Skorpion beschrieben werden: Das Zeichen Stier steht für das Physische, das Sinnliche, die Freude an der Schönheit und den Wunsch nach Sicherheit und Stabilität. Es verkörpert praktische Fähigkeiten und das Leben als physische Erfahrung. Das Zeichen Skorpion steht für die Notwendigkeit des Wandels, sei es auch unter Schmerzen, für die Erfahrung nicht-materieller Werte, das Wissen um den Tod und die Macht der Emotionen. Es verkörpert das Leben als emotionale Erfahrung. Beide Zeichen neigen dazu, festzuhalten: Skorpion, weil er die emotionale Intensität erfahren möchte, Stier, weil er Sicherheit in der physischen Welt erschaffen will. Es ist leicht vorzustellen, wie beide Zeichen z.B. aus ihren jeweiligen Motivationen heraus, ihre Partner festhalten wollen. Auch sexuell können beide sehr intensiv sein. Hier wird das Physische zum Emotionalen und umgekehrt. Die Achse Stier-Skorpion wird manchmal die Besitz-Achse genannt. Der Stier möchte Besitz, um materielle und physische Sicherheit zu erlangen oder weil sich in die Schönheit der materiellen Dinge verliebt. Der Skorpion kann Besitz benutzen, um Macht über Menschen und damit Kontrolle über ihre Emotionen zu erlangen. Auch kann der Skorpion materiellen Besitz generell vollkommen ablehnen. Auch damit ruft er emotionale Reaktionen seiner Mitmenschen hervor. Die Themen dieser Achse kreisen also um Werte und Transformation, Erhalten und Zerstören und beschäftigen sich mit Emotionen und Materie. Für einen Menschen mit der Mondknotenachse in Stier-Skorpion, wird es in diesem Leben um neue Erfahrungen und eine Neupositionierung in Bezug auf diese Themen gehen. Das Informationssammeln eines Zwillings, die Gesellschaftstheorien eines Wassermannes, das persönliche Strahlen-Wollen eines Löwen oder die Detailtreue einer Jungfrau sind für sie zweitrangig. (Ich betrachte hier wohlgemerkt nur die Mondknotenachse, bzw. die Zeichen vollkommen isoliert. Natürlich ist jedes Horoskop  immer multifaktoriell und komplex und beinhaltet niemals nur die Themen einer einzigen Achse)
Je nachdem, ob der absteigende Mondknoten in unserem Beispiel in Stier oder Skorpion ist, bringt der Mensch die eine oder die andere Seite der Achse als Erfahrungsschatz schon mit. In der Regel werden in der ersten Hälfte des Lebens, zumindest in den ersten 18,6 Jahren, aber oft auch weit darüber hinaus die Talente des absteigenden Mondknotens erneut umgesetzt. Im Laufe des weiteren Lebens sollte es im Idealfall gelingen, sich in Richtung des aufsteigenden Mondknotens zu entwickeln. Er ist Neuland. Hier fangen wir von Null an. Es bedarf der Anstrengung, hier fällt uns nichts zu. Oft ist Leid letztlich die Motivation, uns für diesen Teil der Achse zu öffnen. Wir neigen dazu, auf den alten, absteigenden Mondknoten zurückzufallen. Stattdessen wäre es optimal, die Fähigkeiten, die wir dort haben quasi als Basisstation zur Exploration und Arbeit an der anderen Seite der Achse zu nutzen.


2.3. Die Mondknoten als Verbindungsachse

Eine Besonderheit, die viele Astrologen in Bezug auf die Mondknotenachse beobachtet haben möchte ich weiterhin erwähnen: Die Mondknotenachse wird von einigen „the abortive axis“ genannt. Dies beruht auf folgendem Hintergrund: Transite zum absteigenden Mondknoten, insbesondere eine Finsternis mit dem Neumond in Konjunktion zum absteigenden Mondknoten kann dazu führen, dass vorher begonnene erste Schritte in Richtung auf neue Entwicklungen vereitelt werden. Es handelt sich dabei nicht nur im übertragenen Sinne um „Fehlgeburten“, auch ganz buchstäblich können unter einer solchen Konstellation Fehlgeburten vorkommen. Das passt zu der Regel, die besagt, am aufsteigenden Mondknoten trete das Neue ins Leben. Unglückliche Konstellationen am absteigenden Mondknoten nehmen es weg. In der Mundanastrologie betrachtet man Finsternisse immer als sensible Zeiten, die große Gefahren beinhalten, aber auch große Chancen bieten können und deren Wirkung etwa ein halbes Jahr anhält. Eine Neumondeklipse am aufsteigenden Mondknoten wird insgesamt als chancenreicher gedeutet. Hier kann Neues vielleicht verstärkt Fuß fassen. Insbesondere in der klassischen Astrologie wurde das Schicksal des Königs (Sonne), das mit dem Schicksal seines Landes eng verknüpft war, mit Hilfe der Finsternisse vorausgesagt. Die Finsternisse waren besonders aussagekräftig, weil sie nicht nur die Mondknoten als sensitive Punkte der Dreiheit Sonne, Mond, Erde betrafen, sondern auch noch Sonne (König) und Mond (das Volk) auf die Mondknoten trafen. Da sich bei einer Eklipse Sonne oder Mond verfinstern und somit bezogen auf die Erde verschwinden, hatte dies eine große Aussagekraft über das Bleiben oder Verschwinden eines Königs in seinem Amt oder gar in seinem  gesamten Leben. Das Hineintreten von Dingen und Menschen in unser Leben und das Verschwinden von ihnen aus unserem Leben wird auch im individuellen Geburtshoroskop von der Mondknotenachse symbolisiert. Und auch im Individuellen haben die Finsternisse besondere Bedeutung: Schließlich symbolisiert die Sonne in unserem Geburtshoroskop unsere Identität in diesem Leben und auch die körperliche Existenz, während der Mond für unsere Gefühle und unsere emotionalen Bindungen steht. Nun sind Finsternisse auf der Mondknotenachse unseres Geburtshoroskopes seltene Ereignisse. Aber auch z.B. das Quadrat einer Finsternis zur Geburtsstellung unserer Mondknotenachse und  Transite von Himmelskörpern über unsere Mondknotenstellung kann das Hineintreten von etwas in unser Leben oder Verschwinden von etwas aus unserem Leben mit sich bringen. Auf die eine oder andere Weise wird es immer mit unserer karmischen Aufgabe zu tun haben, wie sie durch unsere Mondknotenstellung angezeigt wird. Vielleicht schaffen wir es, zu so einer Zeit, Eigenschaften des Zeichens unseres aufsteigenden Mondknotens ein wenig mehr zu leben, finden einen besseren Zugang zu ihnen, können uns mehr damit identifizieren, verändern uns, lassen in Bezug auf das Alte, verkörpert durch den absteigenden Mondknoten, etwas locker. Oder aber wir straucheln bei dem Versuch und ziehen uns noch einmal auf die alten Fähigkeiten zurück. Vielleicht wird uns auch von außen etwas weggenommen oder gegeben, was unsere Entwicklung erzwingt. Auch wenn die laufende Mondknotenachse unsere Geburtsplanetenkonstellation auslöst, können Effekte von Verbindung und Verschwinden  auftreten. Hier allerdings bestimmt die Planetenkonstellation in unserem Geburtshoroskop auf die der Transit fällt, den Themenbereich.
Ebertin bezeichnet in seiner „Kombination der Gestirnseinflüsse“ die Mondknotenachse als die Verbindungsachse: Damit sind sowohl freiwillige Verbindungen als auch Blutsverbindungen und die Verbindung unserer Seele mit dem Körper - er nennt es Verbindung mit dem Kraftleib- gemeint. Die Verbindungsachse und „the abortive axis“: Zwei Namen für die gleiche Achse. Auch hier zeigt sich wieder die Zweipoligkeit. Es geht um beides: Verbindung und Loslösung. Vom Eintritt in dieses Leben, als Seele in den Körper über die Entwicklung vom absteigenden zum aufsteigenden Mondknoten bis hin zum Austreten aus diesem Leben und Körper. In der Zwischenzeit versuchen wir eine Balance zwischen Bindungen und Loslassen zu finden, eine Entwicklung, die unser Leben fruchtbar macht.

Es gäbe noch sehr viel mehr über die Mondknotenachse zu schreiben. Das würde jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen. Für Interessierte habe ich eine Literaturliste im Anhang erstellt.


3. Die Schmetterlingsflaschen


3.1. Equilibrium 14: Ein Schmetterling. Klarheit des Denkens. Weisheit in der neuen Zeit.

Das Gold im unteren Teil der Flasche, die zum Kinder-Set der neuen Zeit gehört, deutet als Hauptbegabung, so wie wir sie in einer Flasche an der 2. Position interpretieren auf den inneren Lehrer hin, der in der Lage ist, seine innere Weisheit nach außen zu tragen.
Das Klar in der oberen Fraktion erzählt von der Klarheit und dem Licht, das dadurch in die Welt gebracht wird.
Stünde die Flasche an erster Position spräche man davon, dass die Person sich im Gold am meisten gesehen fühlt und deutete es als Aufforderung, unsere innere Weisheit zu erkennen und von ihr Gebrauch zu machen. Auch hier kann das Klar oben von der Klarheit und dem Licht sprechen, das dadurch in die Welt gebracht wird, aber genauso kann man umgekehrt sagen, das Klar stehe für die Klarheit und das Licht, das von oben auf unsere Weisheit und unseren Inkarnationsstern fällt und sichtbar macht, wer wir sind.
Sich auf seinen Inkarnationsstern zu besinnen, hat einen heilsamen Effekt, wir kommen dadurch mehr in Übereinstimmung mit uns selbst. Das Heil und gegebenenfalls die Heilung die uns dadurch zuteil wird, liegt ebenfalls in der Bedeutung des Klar im oberen Teil der Flasche.
Mike Booth schreibt in „Das Aura-Soma-Handbuch“, die Flasche könne dabei helfen, Wunden und Narben aus vergangenen Inkarnationen zu heilen. Dies leuchtet insbesondere ein, wenn man bedenkt, dass die Rückbesinnung auf den Wert der gemachten Erfahrungen, die daraus entstandene Weisheit und die Ausrichtung auf den Inkarnationsstern sozusagen die Ernte aus der Vergangenheit beinhaltet, auch wenn die Vergangenheit viel Leid und Schmerz mit sich brachte. Auch hier finden wir die Kernbegriffe von Gold und von Klar.

3.2.  Equilibrium 73: Chang Tsu. Weisheit aus der Tiefe des Selbst.

In der sanften und wundersam poetischen Geschichte von Chang Tsu, der weder sicher war, ob er träumte oder wachte, noch wusste, ob er nun Mensch oder Schmetterling sei, wird tiefe Verunsicherung über sich selbst und die eigene Form der irdischen Existenz ausgedrückt. Dies findet sich wieder im Klar der unteren Fraktion der Flasche 73: Klar als Abwesenheit von einer eindeutigen Farbe. Wer sich im Klar am meisten gesehen fühlt, fühlt vermutlich anstelle klarer Identität das Potential zu jeder Farbe in sich, wie es im Klar, das alle Farben des Lichtes enthält, ohne eine bestimmte anzunehmen, symbolisiert wird. Genau wie Chang Tsu das Potential ein Schmetterling zu sein erfährt und gleichzeitig das eines Menschen, bleibt seine wahre Identität unbestimmt, man könnte auch sagen, etwas ist noch nicht manifestiert, noch nicht materiell inkarniert, noch nicht entschieden.
In diesen Raum des Klars, mit seinem Potential alles auf der Erde zu werden, aber noch nichts zu sein, kann nun das Gold von außen identitätsschaffend wirken. Umgekehrt könnte man sagen, gerade das noch nicht manifestierte Potential, gibt die freudige Gewissheit und das Glück, genau das zukünftig verkörpern zu können, was stimmig und angemessen ist.
Mike Booth beschreibt in „Das Aura-Soma-Handbuch“ die Flasche könne beim Aufnehmen von Informationen, Eindrücken und Nahrung helfen und dazu beitragen, Erfahrungen zu integrieren. Dies käme dem beschriebenen Prozess gleich, die durch das Gold symbolisierten Werte in die noch nicht vollständig ausdifferenzierte Persönlichkeit einfließen zu lassen. Letztendlich bedeutete dies, sich selbst neu zu erschaffen, sich festzulegen, quasi Farbe zu bekennen, mehr zu seinem Inkarnationsstern zu finden. Das beinhaltet auch, andere Möglichkeiten fahren zu lassen, nicht zu verwirklichen, Potential nicht zu nutzen. So wie das Wasser an einer Wasserscheide nicht in beide Richtungen fließen kann, und das Fließen in eine Richtung immer bedeutet, nicht auch die andere Richtung zu nehmen, also ein Potential nicht zu verwirklichen; jedenfalls nicht dieses Mal. Auch diese Symbolik finden wir im Klar und Gold wieder: Sobald wir das Gold, zu uns herabkommen lassen und uns auf unseren goldenen Inkarnationsstern besinnen, heben wir einen Teil unseres Gesamtpotentials in unser Leben und lassen einen anderen Teil unverwirklicht. Wie uns das Klar im unteren Teil der Flasche erzählt, müssen wir loslassen, um zu uns selbst zu finden und das ist häufig mit Schmerzen und Leiden verbunden. Geschieht dies nicht, sondern versuchen wir, uns alle Wege und Potentiale offen zu halten, verwirklichen wir letztlich nichts, versäumen wir letztlich unser Leben.   Paradoxer Weise können wir gerade deshalb zu einer Projektionsfläche für unser Umfeld werden: Der, der sich noch nicht verwirklicht hat, kann noch alles werden. Alles, was die Umwelt in ihm sehen will, kann er potentiell erfüllen: Sozusagen, der goldene Prinz, die goldene Prinzessin, in der die anderen ihre verloren gegebenen Potentiale gespiegelt und stellvertretend verwirklicht sehen wollen. Die anderen, symbolisiert durch das Gold im oberen Teil der Flasche, haben sich nämlich an Wasserscheiden bereits entschieden und mussten schon Möglichkeiten opfern. Die Erwartungen von außen und der innere Anspruch allen alles recht zu machen, können übermächtig werden. Hier bedarf es der persönlichen Abgrenzung, wie sie im Gold symbolisiert wird: Zu wissen, was ich bin, was ich verwirklichen kann und möchte, und eben auch zu wissen, was mir nicht entspricht. Dies angesichts des Wissens darum, potentiell alles sein zu können, zu klären, dafür steht die Flasche 73.



4. Die Schmetterlingsflaschen als symbolische Mondknotenachse



Will man für die Mondknoten in Horoskopen Aura-Soma Flaschen mit ähnlicher Bedeutung finden, bieten sich die Schmetterlingsflaschen an. Ich denke, dass dies die vorangegangenen Ausführungen nahegelegt haben. Die Schmetterlingsflaschen erzählen wie die Mondknoten von der Verdichtung der persönlichen Inkarnation, also dem Inkarnationsstern der Menschen, und zwar von einem irdischen Gesichtspunkt aus. Sonnenbahn und Mondbahn, die Bahnen der beiden Lichter der Erde, schneiden sich an für die irdische Existenz energetisch relevanten Punkten. Hier kann aus den potentiell unendlichen Möglichkeiten des Nordknotens etwas Neues in die Welt kommen. Sei es in die persönliche Welt eines Individuums oder auch mundan und damit für die Menschheit und die Erde als Gesamtheit. Der Nordknoten und B73 halten beide dieses große Potential bereit: Alles kann eintreten, alles, was noch nicht manifestiert ist, kann an diesem Punkt beginnen. Und damit es eintreten kann, müssen wir ihm die Möglichkeit geben, müssen wir Anstrengungen unternehmen, den Blick für das Neue öffnen. Der Südknoten beschreibt hingegen, das, was schon hier ist. Hier ist schon bestenfalls all das Gold der Vergangenheit als Stärke und Weisheit, wie in Flasche B14,  vorhanden. Die Aufgabe ist, es bestmöglich umzusetzen und für sich selbst und die Allgemeinheit, z.B. als Lehrer, nutzbar zu machen. Die Analogie ginge bishin zu der von Mike Booth beschriebenen Art und Weise, wie die Seele sich beim Eintreten in die Inkarnation von einem gelben Dreieck angezogen fühlt. In „Das Aura-Soma-Handbuch“ wird dieses Dreieck zwar als gelb auf blauem Hintergrund beschrieben, in der dazugehörigen Abbildung ist es jedoch von einem goldenen Ring umgeben. Zur Bedeutung der Mondknoten, wie auch der Schmetterlingsflaschen passt dieses Gold des Inkarnationssternes perfekt.

 


 

5. Diskussion und Ausblick


Generell ist anzumerken, dass die Zuordnung von Aura-Soma-Flaschen und astrologischen Faktoren nie hundertprozentig, also 1:1 passen kann. Sowohl Aura-Soma als auch die Astrologie sind so speziell ausdifferenzierte multifaktorielle Symbolwelten, dass kaum jemals alle Faktoren, wie die eines Himmelkörpers, eines astronomischen Punktes, eines Planeten in einem Zeichen unter bestimmten Aspekten mit denen einer einzigen Aura-Soma-Flasche, die ebenfalls die Energien von Pflanzen, Farben, Edelsteinen und weiteren Energien, wie Intention oder das Wasser der Glastonbury-Quelle kombiniert, gleichgesetzt werden können. Erzwänge man dieses, um eine „saubere Theorie“ zu haben, würde man weder Aura-Soma noch der Astrologie gerecht. Beide würden depotenziert werden. Trotzdem kann es sehr fruchtbar und  hilfreich sein, sich als Astrologin oder Aura-Soma-Beraterin Anregungen aus der jeweilig anderen Symbolwelt zu holen. Wenn jemand z.B. Flasche 14 oder 73 wählt, macht es für mich Sinn, die Themen der Mondknoten bei der Beratung mit im Hinterkopf zu haben. Abschließend möchte ich zu dem Gedanken anregen, dass vielleicht auch die anderen Equilibrium-Kombinationen von einer Farbe und Klar – wenn auch entfernter – mit Themen der Mondknoten zu tun haben könnten. Je nachdem, in welchen Zeichen, Häusern und unter welchen Aspekten z.B. die Mondknoten im Geburtshoroskop des zu Beratenden stehen, wäre es vermutlich möglich, dass die individuelle und augenblickliche Symbolik sich eher in den Flaschen 85 und 86, 11 und 71, 12 und 60, 15 und 48 oder 69 und 77 widerspiegelt.


Literatur

Bachmann, Verena (2008): Mondknoten. Kreuzlingen/München (Hugendubel)

Baigent, Michael; Campion, Nicholas; Harvey, Charles (1984): Mundan-Astrologie. Wettswil (Edition Astrodata) 1989

Booth, Mike (2001): Aura-Soma Equilibrium. Die wahre Bedeutung der Namen. Grafing (Aquamarin) 1. Auflage 2002

Booth, Mike (1997): Aura-Soma Tarot. Grafing (Aquamarin) Deutsche Originalausgabe 1997

Booth, Mike (2000): Das Aura-Soma Handbuch. Grafing (Aquamarin) 5. Auflage 2008

Ebertin, Reinhold (1979): Kombination der Gestirnseinflüsse. Freiburg (Ebertin Verlag) 11.    Auflage 1981

Greene, Liz (2003): Schattenseiten der Seele. Tübingen (Chiron Verlag)  Deutsche Erstausgabe 2006

Greene, Liz; Sasportas, Howard (1988): Dimensionen des Unbewussten in der psychologischen Astrologie. München (Hugendubel) 1989

Greene, Liz; Sasportas, Howard (1987): Entfaltung der Persönlichkeit durch psychologische Astrologie. München (Hugendubel) 1988

Hall, Judy (1990): The karmic journey. The birthchart, karma and reincarnation. London (Penguin) 1990

Reinhart, Melanie (1999): Die Mondknoten. Das innere Gleichgewicht im Horoskop. Tübingen (Chiron Verlag) 2. Auflage 2005

Ruperti, Alexander (1978): Kosmische Zyklen. Hamburg (Hier & Jetzt) 1990 Deutsche Erstausgabe

Treier, Heidi (1999): Karma im Horoskop: Wege zur schöpferischen Kraft. Freiburg (Ebertin Verlag) 1. Auflage 1999

Wiegel, Suzan (1996): Aura Soma leicht gemacht! Münsingen-Bern (Fischer Media Verlag) 1996



©  Susanne Petersen 2010